Cey ist eine taffe übermenschliche Kämpferin, Xyen der Leiter einer militärischen Einheit und ebenfalls ein übermenschliches Wesen. Beide können lautlos kommunizieren.
Es sollte durch die Sprechweise klar werden, wer von beiden gerade spricht und ob das eine lautlose Kommunikation oder eine gewöhnliche ist.
Da sowohl Cey als auch Xyen Kämpfer sind, passt es nicht, sie z. B. mit einer sehr zarten Sprechweise darzustellen. Sondern eher selbstbewusst, cool, dominant, teilweise humorvoll, teilweise verzweifelt.
"XYENS SICHT:
Was immer Cey gerade träumen mochte, es war gewiss nicht angenehm und Xyens Besorgnis wuchs, als die anfänglichen Schlieren der Angst einem allumfassenden Grauen wichen. Einem Grauen, das er so noch nie bei einem anderen J’ajal verspürt hatte. Selbst ihre Hände hatte Cey nun zu Fäusten geballt, als wenn ihr ein entsetzlicher Kampf bevorstehen würde. Oder vielleicht befand sie sich ja auch schon mittendrin.
Xyen hielt es nicht mehr länger aus und zog seine Schülerin enger an sich.
»Sh, sh«, sandte er lautlos in ihr Bewusstsein. »Es ist alles okay. Ich bin da.« Gleichzeitig umhüllte er Ceys Aura mit seiner eigenen und sandte ihr Trost und Geborgenheit.
Ob es jetzt wirklich ihm zu verdanken war oder ob der Traum nicht einfach ein Ende gefunden hatte, auf jeden Fall entspannten sich Ceys Gesichtszüge wieder. Sie murmelte etwas leise im Schlaf, schmiegte den Kopf an seine Schulter und versank dann wieder tiefer in ihrer eigenen Welt. Einer Welt, in die Xyen seiner Schülerin nicht folgen konnte, egal wie gerne er es getan hätte.
»Xyen?«
»Jay. Was gibt es?«
»Wir haben Besuch.« Jay übermittelte ihm das Bild eines dunkelhaarigen J’ajals Anfang Zwanzig mit lässigem Drei-Tage-Bart, der in der Nähe ihres Anwesens herumlungerte. Die Gesichtszüge des jungen Mannes deuteten auf eine arabische Abstammung hin und die zerrissene Jeans, die Turnschuhe mit neongelben und pinken Schnürsenkeln und das schwarze Shirt mit dem metallischen Aufdruck I bet, I will kill you first! wirkten wie für ihn gemacht.
Ich wette, ich töte dich zuerst … Sehr ermutigend. Xyen seufzte. Immerhin war es kein feindseliger J’ajal. Oder zumindest glaubte er das bis jetzt, andererseits – was wusste er schon wirklich sicher?
»Ich komme«, sandte Xyen seinem Freund lautlos zurück. Vorsichtig befreite er sich von Cey, um sie nicht versehentlich zu wecken. Sie hatte es so dringend nötig sich einmal für einige Zeit auszuruhen. Lee war sowieso der Meinung, dass Cey weitaus mehr schlafen müsste, aber aufgrund ihrer Albträume brachte Xyen es einfach nicht fertig seine Schülerin zu zwingen länger im Bett zu bleiben.
Xyen bat Nathan ein Auge auf Cey zu haben und verließ das Haus, um auf das Tor des Anwesens zuzuschreiten. Am Eingang nickte er flüchtig Three zu, der für den Wachdienst eingeteilt war. Jay selbst hatte sich mit kritischer Miene und verschränkten Armen in der Nähe des unangemeldeten Besuchers positioniert. J’ajals, die nicht zu ihrer Organisation zählten, weckten automatisch Jays Sicherheitsinstinkte, selbst diejenigen Wesen, die Cey als ihre Freunde betitelte. Oder als ihre Brüder.
»Hallo Sahim«, begrüßte Xyen den jungen Mann. »Cey schläft noch.«
»Ich weiß.« Sahim unterbrach die Musterung der Hecke, die das Anwesen umgab. »Ist auch nicht so dringend. Lass sie ruhig weiterschlafen.« Ein provokantes Grinsen zuckte über sein Gesicht. »Du siehst ebenfalls noch müde aus, Xyen. Habt wohl eine anstrengende Nacht hinter euch, hm?«
***
CEYS SICHT:
»Nikara!« Brüllend rannte Cey die 17th Street von West Whiard entlang. »Wo steckst du?«
Der Angesprochene versuchte sich hastig hinter Nathans Rücken zu verstecken, aber mit seiner bunten Punkfrisur überragte er den Seday noch immer. Cey ballte ihre Hände zu Fäusten und musste sich beherrschen ihre messerscharfen Krallen nicht auszufahren.
»Komm sofort hierher«, zischte sie Nikara an.
Der Anführer der Dämonen, die sich selbst so nannten, weil sie einen winzigen Teil von Astans Geist in ihr Bewusstsein aufgenommen hatten, zögerte. Dann gehorchte er allerdings, trat vor sie und senkte unterwürfig den Kopf. »Ähm … hallo Cey. Schön dich zu sehen. Du freust dich bestimmt ebenfalls mich zu sehen, ja? Also freuen wir uns beide und sind glücklich und friedfertig und noch friedfertiger und …«
Cey brachte den Dämonen mit einer rüden Geste zum Verstummen. »Was war denn das für ein scheiß Plan?«, erkundigte sie sich aufgebracht.
»Tja … also … ich weiß nicht …«, stammelte Nikara und seine Zungenspitze fuhr hektisch über den Ring in seiner Unterlippe.
»Es ist absolut sicher?«, verhöhnte Cey den Dämon. »Es kann überhaupt nichts passieren? Die Bewusstseins-Änderung hält höchstens zwei Tage lang an? Hast du das nicht gesagt?«
»Ups.« Nikara blickte sie treuherzig an.
»Das ist alles, was dir dazu einfällt?« Fassungslos wiederholte sie das Wort. »Ups?«
Nikara zuckte mit den Schultern. »Ach Cey, jetzt raste nicht gleich so aus. Für meinen nächsten Plan denk ich mir was Besseres aus. Versprochen.«
Was er ihr etwa tausend Mal versprochen hatte. Es reichte. Irgendwann war schließlich genug. Entschlossen hob Cey die Hand, doch überraschenderweise schob sich Nathan zwischen sie und Nikara und sah sie bittend an. »Cey, kannst du Nikara vielleicht nur ein klein bisschen töten?«
Der Dämon zischte empört auf und Nathan korrigierte sich hastig. »Oder vielleicht auch gar nicht? Weißt du, es gibt da so ein Paar Schuhe, die ich unbedingt haben möchte, und wenn du Nikara jetzt killst, dann kriege ich die nie …«
Nathan schubste sie ein kleines Stückchen zurück und Cey ergriff die Chance, um seine Hand in eine äußerst unangenehme Position zu biegen. Allerdings ohne Nathan zu verletzen oder ihm Schmerzen zuzufügen.
»Vielleicht vernichte ich dich ja gleich mit«, wütete sie. »Für dein seltsames Schmierentheater bei der NSA.«
»Dafür kann ich nichts«, verteidigte sich Nathan und erfolglos versuchte er seine Hand zu befreien. »Sahim hat gesagt, du musst dich von allein erinnern, sonst wird es nur noch schlimmer.«
Sahim war einer von Ceys Brüdern. Sie hatten nicht die gleichen Eltern, waren jedoch zusammen in einer winzigen Zelle aufgewachsen und deswegen so sehr Familie füreinander, wie es nur sein konnte. Er war ein Dämonenwächter, genau wie sie selbst. Bis zum Ende hatten sie sich geweigert sich mit Astans Geist zu vereinigen und die Qualen, die sie für ihren Widerstand erlitten hatten, bescherten ihnen noch heute Albträume. Nach ihrer Befreiung hatten die Dämonenwächter geschworen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zu verhindern, dass sich ein neuer Astan aus den Reihen seiner einstigen Krieger erhob. Was bei den dunklen Instinkten, welche die Dämonen beherrschten, alles andere als einfach war … Und Wächter waren leider ebenfalls nicht ohne Fehler.
Sahim war allerdings eines der wenigen Wesen auf dieser Welt, dem sie absolut und bedingungslos vertraute. Trotzdem war Cey nicht gewillt Nathans Entschuldigung so einfach zu akzeptieren.
»Du stellst dich auf Nikaras Seite wegen einem Paar Schuhe?«, vergewisserte sie sich.
Ein verträumter Ausdruck spiegelte sich in Nathans blauen Augen. »Aber Cey«, tadelte er sie. »Doch nicht wegen irgendwelcher Schuhe. Eine Sonderedition aus Italien in grün, weiß und orange. Eine limitierte Auflage, diese Sneakers sind alle schon vorbestellt. Ohne Nikara habe ich keine Chance da ranzukommen. Und ich kann ja nichts dafür, dass du einen Monat lang …«
Cey ächzte laut auf und ließ sich auf den Bürgersteig fallen.
»Hey, alles okay mit dir?« Nathan kniete sich neben sie und musterte sie besorgt.
»Weiß nicht.« Von einem leichten Schwindelgefühl ergriffen, stützte Cey den Kopf auf ihre Arme. »Das klang gerade so, als wenn du einen Monat gesagt hättest.«
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